Christi Himmelfahrt

Was steht ihr da und schaut zum Himmel empor?Schaut nach vorn, geht in alle Welt. Verkündet allen Menschen die Bot­schaft von der Liebe, vom Leben nach dem Tod, das uns Jesus Christus ermöglicht und von seiner Treue zur Erde! Das ist die Botschaft damals, das ist sie auch heute.

Diese Treue zur Erde schützt uns vor zwei Gefahren. Sie bewahrt uns vor der Weltflucht, sich einzuschließen, sich zu verschließen vor Entwicklungen, Neuerungen, Veränderungen und Reformen.

„Geht hinaus in alle Welt“, sagt Jesus. Er sagt nicht: „Haltet euch heraus“, er sagt: „Mischt euch ein!“ Wir können und dürfen uns nicht heraushalten, wenn es um die Erde geht und um ihre Zukunft. Das wird durch die Corona-Pandemie überdeutlich.

Treue zur Erde im Namen Jesu bewahrt uns nicht nur vor der Weltflucht, sondern auch vor einer Weltverfallenheit, die nur noch Erde sieht, nur noch den Erfolg, die eigene Leistung, den Luxus. Die Erde allein kann nicht alles sein. Jesus eröffnet uns den Standpunkt, auf dem wir drüberstehen. Das ist die Transzendenz. Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob wir diesen Standpunkt einnehmen oder nicht.

Glaube an Gott, an ein Leben nach dem Tod, aber auch Treue zur Erde. Das ist der Auftrag von Christi Himmelfahrt.

Der Himmel liegt für uns Christen nicht über uns, sondern vor uns, als Aufgabe, als Möglichkeit schon hier in dieser Welt. Das heißt nicht, dass wir das Paradies auf Erden erwarten. Der Himmel fällt nicht mit die­ser Welt zusammen, heute nicht und in Zukunft nicht. Das sieht jeder, der Augen hat. Aber gerade diese Erde in ihrer Zerrissenheit und Dun­kelheit, ihr gilt die Verheißung Gottes.

Wir reden von der Treue zur Erde und feiern doch Himmelfahrt: Hat Jesus sich abgesetzt? Ist er davongelaufen? Nein! Ganz im Gegenteil.

In Jesus ist Gott zur Welt gekommen. Gott ist nicht weltlos, und die Welt nicht gottlos. Je­sus bürgt für die Treue Gottes zur Erde und die Zusage, dass er alle Tage unseres Lebens bei uns bleibt.

Er hat sich die Hände und Füße dreckig gemacht. Er hat sich um die gekümmert, die im Dreck lagen. Auch das bekennen wir mit dem Himmelfahrtsfest:

Er steht drüber. Wir wissen alle, wie das ist, wenn wir tief drinsitzen, untergehen in unseren Sorgen, in der Corona-Isolation, in unserer Verantwortung, in Terminen, unserer Arbeit, untergehen im Leid. Und dann die heimliche Sehnsucht drüberzustehen.

Jesus steht drüber. Nicht selbstherrlich, nicht wie einer, der nichts mit den Dingen der Welt zu tun hat. Nein, er ist tief nach unten heruntergekommen. Er ist den Schwierigkeiten, den Sorgen und Nöten des Lebens nicht ausgewichen, die hat er vielmehr am eige­nen Leib zu spüren bekommen. Er hat das Kreuz des Lebens bis zum bit­teren Ende getragen. „Hinabgestiegen in das Reich des Todes“ und „auferstanden von den Toten“. Aufgefahren in den Himmel. Wer Himmelfahrt feiert, der baut eine Brücke vom Diesseits zum Jenseits. Da berühren sich Himmel und Erde.

Dekan Prof. Dr. Sven van Meegen

Jesus am Ufer

Eigentlich hätte ich heute gerne einen Rückblick auf die erfolgreich überstandene Corona-Krise gehalten… Eigentlich hätte ich gerne meine Schulkinder aus der 3. Klasse der Hirscheckschule beglückwünscht zum Erstkommunionfest morgen… Eigentlich wäre ich jetzt gerne schon viel weiter und würde wissen, ob mein geplanter Sommerurlaub 2020 stattfinden konnte… Eigentlich aber ist jetzt Ostern angesagt! Die Kirche feiert 50 Tage lang dieses zentrale Glaubensgeheimnis, von dem alles andere abhängt. Ohne die Auferstehung Jesu keine Frohe Botschaft an die Frauen am Grab; ohne seine Erscheinungen keinen neuen, lebendigen Geist und frischen Mut für alle, die ihm gefolgt waren. In der Bibelstelle am Dritten Sonntag in der Osterzeit (Joh 21, 1-14) ist von sechs Männern die Rede, die nach dem traumatischen Erlebnis der Hinrichtung Jesu auf Golgota wieder in ihre Heimat zurückgekehrt sind. Dort gehen sie mit Petrus ihrer alten Tätigkeit nach: Sie fahren auf den See Genezareth hinaus um zu fischen. Doch es geht ihnen in jener Nacht nichts Nennenswertes ins Netz. In der Morgendämmerung – eine auffallende Parallele zum Ostermorgen – erkennen sie plötzlich eine Gestalt am Ufer. Diese schickt sie nochmals zum Fischfang los. Diesmal platzt das Netz aus allen Nähten, so voller Fische war es! Jetzt erst merkten sie, dass Jesus zu ihnen gekommen war. Schon früh hat man jenes galiläische Fischerboot als „Schifflein Petri“ bezeichnet und mit der Kirche identifiziert. Sie hat den Auftrag Menschen zu sammeln, indem sie mit ganzem Herzen die Auferstehungsbotschaft bezeugt: Gott hat seinen Sohn nicht im Tod gelassen und mit ihm allen Glaubenden und Suchenden neue Hoffnung gegeben. Oft erkennt man erst nach und nach, wie sehr Jesus mitgearbeitet hat, seinen Segen auf unser Tun gelegt hat. Gewiss bleibt noch viel zu tun, bis die Krise bewältigt sein wird. Und wahrscheinlich muss sich manche vertraute Gewohnheit grundlegend ändern. Doch wie steht’s eigentlich mit unserem Gottvertrauen?

Pfarrer Dietmar Krieg, Seelsorgeeinheit HDH-Nord