Das letzte Wort

Als ich Zivildienstleistender war, sagte mir mein Kollege Wilfried, ein Altenpfleger, dass er froh sei, wenn er nicht als Letzter an einem Sterbebett sitzen müsse: Er fürchte die letzten Worte gegenüber den Sterbenden.
Auch erste Worte sind von Bedeutung. Menschen hören genau hin, wenn sie jemanden kennenlernen. Wenn man sich dann weitere Male trifft und weitere Worte hört, werden die ersten bestätigt, korrigiert und ergänzt. Das ist mit letzten Worten nicht mehr möglich. Das macht sie bedeutungsvoll. Und das kann vor allem bei denen, die sich dessen bewusst sind, Sorge oder Furcht auslösen, die richtigen letzten Worte zu sagen.
„Im Anfang war das Wort,/ und das Wort war bei Gott,/ und das Wort war Gott. Alles ist durch das Wort geworden,/ und ohne das Wort wurde nichts, was geworden ist. In ihm war das Leben,/ und das Leben war das Licht der Menschen.“ (Joh. 1,1-4).
Worte können einen vorbereitenden Charakter haben. Es kann sein, dass es bei Worten bleibt. Es kann aber auch sein, dass Worte eine Wirklichkeit begründen. So heißt es weiter im Johannes-Evangelium: „Und das Wort ist Fleisch geworden/ und hat unter uns gewohnt“. (Joh. 1,14).
Worte, wenn sie letzte Worte sind, haben einen end-gültigen Charakter. Wenn diese letzten Worte gute Worte sind, heißt das nicht, dass das Vorangegangene ausschließlich gut war, es heißt aber, dass die Sicht auf die Welt eine gute, eine optimistische ist. Den Gläubigen fällt es leichter, letzte Worte als gute Worte zu sagen, denn sie erkennen selbst im Leid der Welt Gottes Schönheit und vertrauen darauf, dass sie ins Licht gehen: Im Ende war das Licht und das Licht war bei Gott und das Licht war Gott.

Johannes Keppeler, Dekanatsreferent